Sektion der Bundesrepublik Deutschland

Russischer Menschenrechtler Pristawkin gestorben

31. Juli 2008 - Der russische Schriftsteller Anatoli Pristawkin ist im Alter von 76 Jahren in einem Moskauer Krankenhaus gestorben.

Pristawkin hat sich zeitlebens für die Rechte russischer Strafgefangener eingesetzt. Auch die Verhängung des Moratoriums über die Todesstrafe gilt als sein Verdienst.

Von 1992 bis 2001 hatte Anatoli Pristawkin die von Präsident Jelzin eingerichtete Begnadigungskommission geleitet, die er selbst "Insel der Barmherzigkeit in einem Meer von Grausamkeit" nannte. Nach der Auflösung der zentralen Kommission ernannte ihn Putin zu seinem Berater für Begnadigungsfragen.

Die Menschenrechte waren zentrales Thema in Pristawkins Werken. Er, der als Kind während des zweiten Weltkrieges nach Tschetschenien evakuiert worden war, verarbeitete sein Erfahrungen in seinem berühmten Buch "Schlief ein goldenes Wölkchen". Er setzte sich vor allem mit dem Trauma des Terrors während der Stalinzeit auseinander, verarbeitete aber auch seine Einblicke in den russischen Strafvollzug literarisch in seinem Werk "Ich flehe um Hinrichtung", das in Deutschland bei Luchterhand erschienen ist.

Die deutsche Sektion von Amnesty International hatte in den letzten Jahren immer wieder Kontakt mit Anatoli Pristawkin. Er hieß uns noch in der Begnadigungskommission in Moskau willkommen und war im Sommer 2004 sofort bereit, an einer Veranstaltung in einem Moskauer Café mitzuwirken und mit Vertretern deutscher Unternehmen in Russland Möglichkeiten für eine Kooperation mit unabhängigen russischen Menschenrechtsorganisationen zu erörtern. Auch danach haben wir Anatoli Pristawkin immer wieder als eine Streiter für die Menschenrechte erlebt, der aus einer tief verinnerlichten humanistischen Grundhaltung heraus lebte und argumentierte. Anatoli Pristawkin wird uns fehlen.

Peter Franck, Sprecher der Amnesty-Länderkogruppe Russische Föderation